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Text | Januar 2006

Aus dem Vorstellungsgespräch eines Sozialpädagogen in der GUF (Geschlossene Unterbringung Feuerbergstraße, Hamburg)

Aus purer Neugier habe ich mich Ende November 2005 einem Vorstellungsgespräch in der geschlossenen Unterbringung gestellt. Es wurden Dipl. Sozialpädagogen für den Dienst in der GUF gesucht.

Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, was es bedeuten muss, als Jugendlicher in einer solchen Unterbringung "verwahrt" zu werden. Ich spreche hier bewusst von "Verwahren" da auf pädagogische Inhalte meines Erachtens kaum Wert gelegt wird. So wurde während des Gespräches eine Situation entwickelt, in der mich ein Jugendlicher mit Nahrung bewirft. Die Situation wird dahingehend dargestellt, dass ich allein mit fünf Jugendlichen das Mittagessen zubereite. Ein anderer Mitarbeiter wäre nicht zu erreichen gewesen. Im weiteren Verlauf würde der Jugendliche mich tätlich angreifen, und die anderen Jugendlichen würden sich auf einen Angriff gegen mich vorbereiten. Beiläufig wurde mir an einigen "unappetitlichen" Beispielen (würgen mit einer Gitarrensaite, schwerste Verletzungen durch Tritte) verdeutlicht, dass dies schon einzelnen Mitarbeitern zugestoßen sei.

Die Frage war, wie ich reagieren würde?

Ich möchte jetzt nicht näher darauf eingehen, wie ich geantwortet habe, schließlich finde ich die Situation als solche bereits absurd. Selbst wenn es zu einer solchen Situation kommen sollte, gibt es keine "passende" Antwort. Ziel muss es doch sein, solche Vorfälle in jedem Fall zu vermeiden.

Am Ende des Gesprächs habe ich den zuständigen Gruppenleiter, der ebenfalls beim Gespräch anwesend war, befragt, wie er denn in der beschriebenen Situation reagiert hätte. Dieser antwortete mir mit einem verschmitzten Lächeln, dass die Jugendlichen in einer solchen Situation von ihm "einen Einlauf bekommen würden, dass ihnen hören und sehen vergeht..." Fragen Sie nicht, was ich in dieser Situation gedacht habe. Gewalt scheint jedenfalls kein Fremdwort bei den Mitarbeitern der Feuerbergstraße zu sein.

Weiterhin wurde ich befragt, worauf es mir denn bei der Arbeit mit den Jugendlichen besonders ankäme. Als ich erwiderte, dass es wohl unabdingbar wäre, ein Vertrauensverhältnis zu den untergebrachten Jugendlichen aufzubauen erwiderte die beim Gespräch ebenfalls anwesende Psychologin, dass dies in der Zeit der Unterbringung nicht zu schaffen sei. Die anderen Beteiligten des Gesprächs gaben ihr Recht, nur die Mitarbeiterin des Betriebsrats hielt sich mit ihrer Meinung zurück. Ich frage mich, wenn es nicht das Ziel eines Mitarbeiters einer geschlossenen Unterbringung ist, Vertrauen zu den betreuten Jugendlichen zu gewinnen, welche Ziele verfolgt er dann? Worauf können die Jugendlichen zurückgreifen, worauf sollen sie sich verlassen?

Dies waren die Hauptpunkte des Gespräches, dass für mich in schockierender Weise verlief. Nach meinem Eindruck suchte man einen "Schließer", aber keinen Sozialpädagogen.

Ich denke, mein Bericht verdeutlicht, in welcher Situation sich die Einrichtung befindet. Auf die Gewalt, die durch den Umgang mit den Jugendlichen in der geschlossenen Unterbringung entsteht, wird mit Gegengewalt reagiert. Wie hier eine sinnvolle pädagogische Arbeit stattfinden soll, ist doch sehr fraglich.

Mit einer Jugendhilfeeinrichtung hat die geschlossene Unterbringung Feuerbergstraße deshalb meines Erachtens nichts zu tun.