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Text | Donnerstag, 4 Juli 2013 | stahlpress Medienbüro | Reinhard Schwarz

Streit um geschlossene Unterbringung:
Der Träger steht wegen seiner umstrittenen Erziehungspraktiken in der Kritik.

In Hamburg flammt der Streit um die geschlossene Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen wieder auf. Anlass sind neun Hamburger Jugendliche, die derzeit in Einrichtungen der Haasenburg GmbH in Brandenburg untergebracht sind. Medienberichten zufolge wurden in den Haasenburg-Heimen Jugendliche fixiert, also festgebunden, oder wurden für geringfügige Verstöße gemaßregelt. Die Haasenburg GmbH hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) zog mittlerweile die Notbremse: Bis auf weiteres dürfen keine Kinder aus Hamburg in Heimen der Haasenburg GmbH untergebracht werden.

Den Grünen geht das nicht weit genug. "Das Einlenken von Senator Scheele reicht nicht aus", erklärt Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Blömeke (Grüne). "Wenn er die Unterbringung von weiteren Kindern in der Haasenburg nicht verantworten kann, muss er auch dafür sorgen, dass alle Hamburger Minderjährigen, die sich dort noch aufhalten, aus der Einrichtung geholt und woanders betreut werden."

Die zuständige Sozialbehörde weist die Forderung der Grünen zurück. "Aktuell gibt es keinen Grund, die Minderjährigen aus der Einrichtung zu holen, weil keine Beschwerden vorliegen", erklärt Behördensprecher Olaf Dittmann. Es gebe "keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass diese Minderjährigen dort gefährdet sind". Hintergrund: Die Vorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum 2007 bis 2010. Die Behörde wolle abwarten, wie sich die Aufsichtskommission für geschlossene Einrichtungen dazu äußert. Die muss aber noch gegründet werden und Akteneinsicht und vom Jugendamt Brandenburg Akteneinsicht verlangen.

Der Streit um die Erziehungsmethoden in Brandenburg erinnert an die Debatte in Hamburg um das 2002 eröffnete geschlossene Heim in der Feuerbergstraße, das nach etlichen Skandalen 2008 geschlossenen wurde. "Einsperren bedeutet Unfreiheit, zerstört Vertrauen, und Vertrauen ist das, was die Jugendlichen brauchen, um wieder Fuß zu fassen", erklärt Blömeke. Melanie Leonhard, familienpolitische Sprecherin der SPD, sagt hingegen: "Wir haben anerkannt, dass die geschlossene Unterbringung für einen bestimmten Kreis von Jugendlichen die einzige Möglichkeit darstellt. Aber das Thema wird auch bei uns immer wieder diskutiert."