Dies ist das Archiv der Website des Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung bis März 2014. Aktuelle Informationen finden Sie unter www.geschlossene-unterbringung.de

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Pressemitteilung | Mittwoch, 31. Juli 2002 | KIDS

Aus aktuellem Anlass

In Anlehnung an die Protestaktion am 10.07.02 direkt auf dem Gelände des KJND gegen GESCHLOSSENE HEIMUNTERBRINGUNG (GU) und der damit ebenfalls in Zusammenhang stehenden Aktion vor der BSF am 17.07.02 nehmen wir heute, am Mittwoch den 31.07.02 wiederum um 12.05 Uhr, den Faden wieder auf.

Der Stellungnahme unseres Gesamtvereins BASIS e.V. vom 12.07.02 gegen GU möchten wir an dieser Stelle noch mal Nachdruck verleihen:

1993 wurde das KIDS (Kinder In Der Szene), die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, deren Lebensmittelpunkt mindestens zeitweilig der Hamburger Hauptbahnhof ist, als ein weiteres Projekt von BASIS e.V. eröffnet. Unsere Angebote von Grundversorgung (einschließlich Gesundheitsförderung) über Beratung bis hin zu Begleitung sehen wir als Überlebenshilfe und als Option zur Veränderung. Unser erstes Ziel ist die Kontaktaufnahme zu jungen Menschen, deren Erfahrungshintergrund oft durch tiefes Misstrauen gegenüber Erwachsenen geprägt ist. Unser Arbeitsansatz ist ausdrücklich niedrigschwellig und akzeptierend. Unser Handeln unterliegt fachlichen Standards wie z.B. von der IGFH - Fachgruppe Drogen entwickelt: "... Dabei muss es in der Jugendhilfe grundsätzlich darum gehen, junge Menschen in lebenswerte soziale Zusammenhänge zu integrieren und ihre soziale Ausgrenzung zu verhindern. Jugendliche können daher nicht aufgrund spezifischer Verhaltensweisen von Angeboten der Jugendhilfe ausgegrenzt werden. Dies gilt natürlich auch für drogenkonsumierende junge Menschen. ... Die Träger der Jugendhilfe sind aufgefordert, geeignete Angebote für junge Menschen mit problematischem Drogenkonsum bereitzustellen. Zwangsmaßnahmen wie Zwangsentzug, Zwangstherapie oder geschlossene Unterbringung sind keine solchen geeigneten Angebote..." (Forum Erziehungshilfen, 3 / 1999)

Im Zuge der Kürzungspolitik wurden schon diverse fachliche Standards besonders im Bereich Mädchen- und Frauenarbeit vom Tisch gewischt / abgeschafft / eingestampft. Im nächsten Jahr droht die weitere Demontage wertvoller Arbeit. Ob GU, Mädchen- und Frauenarbeit, niedrigschwelliger/akzeptierender Arbeitsansatz, um nur einige Beispiele zu nennen - nirgends findet eine fachpolitische Diskussion statt. Die Abschaffung bewährter sozialer Einrichtungen und auch Vernetzungsstrategien zur Verbesserung der Hilfsangebote unterliegt allein einem ordnungs- und machtpolitischem Interesse.

Neuerdings existiert ein Papier der Innenbehörde, welches Vorgaben für die Arbeit der Jugendbehörde enthält. Dieses Papier ist nicht öffentlich.

Dieses ordnungspolitische Handlungskonzept, in dem es unter anderem auch um den zukünftigen Umgang mit drogenkonsumierenden, sich prostituierenden Minderjährigen geht, will anscheinend niedrigschwellige, aufsuchende Sozialarbeit ersetzen durch "Ansprechen und Warnen der Jugendlichen", einhergehend mit der Feststellung und Weitergabe von Daten. Unsere Grundstatuten Freiwilligkeit und Anonymität sollen aufgehoben werden. Eine Anlaufstelle, die neben Grundversorgung und Aufklärungsarbeit (s.o.) immer auch an der Erreichbarkeit der Jugendlichen arbeitet mit der Gewissheit, dass ausschließlich gemeinsam mit dem Jugendlichen eine Veränderung der jeweiligen Lebenssituation möglich ist, scheint nicht nötig. Stattdessen wird an einer Sortiermaschine visioniert, z.B. mit Hilfe eines Familien-Interventions-Teams (FIT). Familien, die sich nicht auf eine zwangsverordnete Jugendhilfemassnahme einlassen, müssen mit Sorgerechtsentzug rechnen. Wir befürchten, dass für drogenkonsumierende und/oder sich prostituierende Minderjährige, die nicht bereit oder in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit aus der Szene auszusteigen, nur noch die Alternativen Haft oder geschlossenes Heim bleiben.

Die MitarbeiterInnen des KIDS werten dieses Konzept als massiven Angriff auf ihre Arbeit. Die Grundprinzipien des KIDS würden damit aufgehoben. Eine Vorantreibung der zunehmenden Verelendung (auch der Jugendlichen) in der Szene ist mit diesem Konzept vorprogrammiert.

Für ein entscheidungsfähiges und somit selbstbestimmtes Leben! Gegen Geschlossene Unterbringung! Für niedrigschwellige, akzeptierende Arbeitsansätze und Vernetzung!

Ohne Akzeptanz keine Zukunft!

Das KIDS - Team